|
Ich wurde im Juni 1961 in Kiel geboren.
Jetzt mache ich mal einen kleinen Sprung ... Als 15-Jähriger wünschte ich mir zu Weihnachten eine chromatische Mundharmonika, für die mich der Weihnachtsmann dann auch für würdig befand. Während meine liebe Schwester eine Gitarre bekam. Ich weiß gar nicht mehr, ob sie sich die ausdrücklich gewünscht hatte. Jedenfalls fand ich bald mehr Gefallen an ihrer Gitarre, als an meiner Mundharmonika. Nach Peter Burschs Gitarrenlehrbuch lernte ich die ersten Akkorde und freute mich, bald Lieder von den Beatles und andere Lieder damit begleiten zu können. Auch die ersten einfachen Picking-Muster in diesem Buch forderten mich heraus. Bereits zu dieser frühen Zeit entwickelte ich eine Liebe für verschiedene Genre der Gitarrenmusik. Von der Schule, der Hebbelschule in Kiel, durch Rockmusik beeinflusst und geprägt, gefiel mir - schon damals - zum Beispiel Carlos Santana außerordentlich. Damals spielte er noch eine recht schwere Yamaha Solid Body, bevor er ja später von Paul Reed Smiths Wunderwerken fasziniert wurde. Wie ich heute übrigens auch: Irgendwann ist eine fällig und die ist dann das mit Abstand schönste "Möbel" in meinem Wohnzimmer ... Aber ich wollte mich zunächst nicht auf das reduzierte Spiel auf der E-Gitarre früh festlegen. Das hätte zu einer Verkümmerung der rechten Hand geführt, die in der Rockmusik ja weitgehend "nur" dem Führen des Plektrums dient. Mir war wichtig, eine umfassende Ausbildung zu bekommen, damit mir künfitg alle Genre der Gitarrenmusik offen stehen sollten. Ich wollte Flageolett-Töne im Stil der Klassischen Gitarre ebenso erzeugen können, wie ich die virtuosen Rasgueado- oder Golpe-Techniken des Flamenco beherrschen wollte. Aus diesem Grund entschloss ich mich, zunächst einmal eine Grundausbildung in Klassischer Gitarre zu beginnen. Als 16-Jähriger erhielt ich erstmals derartigen Unterricht. Aus Kostengründen - meine Eltern waren Arbeiter - in einer Dreier-Schülergruppe, einmal in der Woche, durch den Kieler Diplom-Gitarrenlehrer Claus Schmidt. Später hatte der noch lange Zeit ein Unterrichtsstudio in Kiel im Knooper Weg. Sollte übrigens ein verehrter Leser wissen, wo Herr Schmidt heute unterrichtet oder ihn gar persönlich kennen, wäre ich um eine Nachricht sehr dankbar. Ich würde gern wieder mit meinem ersten Gitarrenlehrer, der mich damals so gut motivieren konnte und der mir wertvolle technische Grundlagen vermittelt hatte, Kontakt aufnehmen. Unterrichtsgrundlage waren in seinem Unterricht die sechs Lehrbände der Gitarrenschule des Julio S. Sagreras. Es ist übrigens die in Südamerika am weitesten verbreitete Klassische Gitarre Schule. Ich schätzte - und schätze immer noch - den melodischen Reiz jeder dieser Übungsstücke. Jede Lektion in Form einer kleinen Komposition (=Etüde) steht für sich und ist es Wert, erarbeitet zu werden. Alle Etüden wurden extra von J. S. Sagreras für dessen Privatschüler komponiert. Sehr motivierend ist auch die Anordnung der Stücke mit ihrem kontinuierlich und überschaubar langsam anschreitenden Schwierigkeitsgrad. So wie - das werden mir Gitarristen bestätigen, die auch nach diesem Lehrwerk unterrichtet wurden - der jeweils vollständig ausnotierte Fingersatz zu jedem Stück. (=Leccion!) Alles alles schön ausnotiert, alle Zweifel beseitigt: so man konnte sich direkt dem Spielfluss widmen! Der Chanterelle Verlag hat sich dankenswerter Weise sehr engagiert und eine internationale Ausgabe herausgebracht, in der jeder einzelne Erläuterungstext zu den Lecciones auf Deutsch übersetzt wurde. Eine Arbeit von unschätzbarem Wert. Ich musste damals noch mit den brasilianischen Erläuterungen vorlieb nehmen. ISchon damals spielte ich mit dem Gedanken, mir diese wichtigen Texte von einem des Portugisichen Mächtigen übersetzen zu lassen - was sich nun erübrigt hat. Es schadet nie, von Zeit zu Zeit alle diese Kabinettstückchen wieder einmal durchzuspielen, technisch ist das immer ein Gewinn! Während meines Wehrerdienstes hatte ich keinen Gitarrenunterricht, brachte mir aber autodidaktisch die Stücke des Fingerpicking-Lehrbuches "Picking the Blues" von Oskar Klein bei. Leider ist Oskar Klein 2007 verstorben. Sein Hauptinstrument war die Klarinette im (Dixieland-) Jazz. Aber er war, was vielen nicht so bekannt ist,auch ein guter Gitarrist und vor allem ein hervoragender Gitarrenlehrer. Seine Stücke für Stahlsaiten-Akustikgitarre sind zum Teil alten Gitarrenbluesgrößen nachempfunden und enthalten dadurch auch wesentliche Blueslicks und -riffs aus der Zeit zu Anfang des vorletzten Jahrhunderts. Diese Bundeswehrkaserne ist, die Pionier-Kaserne in Plön, ist mittlerweile aufgelasse. Heute stehen dort Einfamilienhäuser. Und in den Gewässern, wo wir mit unseren Amphibienfahrzeugen trainierten, in denen ich in der knappen Kasernen-Freizeit aber auch schnorchelte und tauchte. Manchmal konnte man da sogar an einen dicken, alten Hecht direkt rantauchen - er stand direkt unter dem (allerdings selten benutzen) Sprungturm. In den waldstücken der Kaserne fuhren wir mit unseren Funk-Unimogs umher, um das Schreibfunken zu üben - dort spielen jetzt Kinder. In dem Gebäude meiner Kompanie gab es, wie überall auch, einen - allerdings lichtdurchfluteten - gekachelten Putz-/Abstellraum. Der einzige Raum, der nie von einem Soldaten in der Freizeit betreten wurde. Mit einem hervorragenden Hall, eine sehr angenehme Verstärkung des Tons meiner Stahlsaitengitrarre. Dort übte ich mit Vergnügen - für mich alleine - die Stücke von Oskar Klein. Während manche Kameraden sich mit Bier volllaufen ließen, fern sahen oder sich sonst wie die Freizeit weniger produktiv zerstreuten. ;-) Fortsetzung folgt! (Gitarrenunterricht im BWL-Grundstudium in Bayreuth erhalten, Gitarrenunterricht in Göttingen während meines Hauptstudium gegeben, meine Gitarren: Stoll, Furch, Burguet, Bernabe und mehr.)
|